Törnbericht über die Windward Islands in der Karibik
Törnbericht über die Windward Islands in der Karibik
vom 26.01.02 bis 18.02.02
So, endlich war es wieder soweit! Unsere zunächst 6 köpfige Crew flog mit der Air France von Düsseldorf über Paris nach Martinique, um dem europäischen Winter zu entfliehen und um in diesem traumhaften Segelrevier für 3 Wochen die Seele baumeln zu lassen!
Einen 7. Mitsegler, den wir zuvor über eine Mitseglerbörse im Internet angeworben hatten, lernten wir erst bei der Zwischenlandung in Paris kennen. Peter, ein 61jähriger gestandener Mittelmeersegler mit einigen Seemeilen auf dem Buckel, wollte die Karibik kennenlernen, um dort im nächsten Jahr mit seinen Freunden auf eigene Faust zu chartern. Einen 8. und letzten Mitsegler aus Österreich, den wir ebenfalls erst 3 Tage vor Törnbeginn über das Internet kennenlernten, wollten wir erst am Abend im Hafen auf Martinique treffen.
Nachdem wir diesen Törn über die Jahreswende 97/98 schon einmal mit einer 45 Fuß Kielyacht gemacht hatten, entschieden wir uns auf dieser Reise für einen Katamaran ( Lagoon 410 ).
Die Firma SO LONG Yachting organisierte wie immer die Charterabwicklung in der Karibik und gab uns noch eine Internetadresse von einem Supermarkt auf der Insel, der sich auf die Yachtleute spezialisiert hat und die georderten Lebensmittel (zum vereinbarten Termin) an Bord der Yacht bringt! (Diesen Service sollte man nutzen, weil es nirgendwo so gut mit der Auswahl der Lebensmittel bestellt ist wie auf Martinique.
Auch, wenn Ihnen die Preise für die dort aufgeführten Lebensmittel sehr hoch erscheinen, kann ich Ihnen versichern, dass die Preise auf den südlicher gelegenen Inseln bei dem derzeitigen Dollerkurs erheblich höher liegen!!)
Unsere Route sollte von Martinique aus über St.Lucia, St.Vincent, Bequia, Mustique, die Tobago Cays, Union Island bis nach Petit St.Vincent (als südlichsten Punkt) und wieder zurück gehen.
Als wir am Flughafen auf Martinique ankamen, erwartete uns schon ein Minibus der Firma Corail Caraibes, um uns zum Charterstützpunkt zu bringen. Da es schon dunkel war, richteten wir kurz unsere Kojen ein, bevor wir in die nächste Kneipe (Mango Bay) zum Essen gingen. Da Hannes, unser österreichischer Mitsegler erst um ca. 01.00 Uhr auftauchte, war die erste Nacht für uns sehr kurz.

27.01.02
Um 08.00 Uhr kam ein Mann auf einem Minitraktor mit Anhänger, um den bestellten Proviant zu liefern. Gegen 09.00 Uhr kam der Chef von Corail Caraibes um uns (deutschsprachig) das Schiff und die Papiere zu übergeben.
Die Übergabe verlief sehr unkompliziert und fachmännisch. Das Schiff (Bj.99) befand sich in gutem Zustand und die zusätzlich bestellten Ausrüstungsgegenstände (Bordgrill, Schnorchelausrüstung etc.) befanden sich bereits an Bord. Nur die Hochsee-Angel mussten wir noch im Büro des Vercharterers abholen.
Gegen 10.30 Uhr war die Übergabe erledigt und wir brauchten nur noch im Hafen bei den Zollbehörden ausklarieren. Eine Stunde später segelten wir mit ca. 9 kn Fahrt Richtung St.Lucia.
Nach knapp 3 Std. liefen wir in die Rodney Bay ein, wo wir erstmal ankerten, um das erste Mal in das 27 Grad warme Wasser zu springen. Erst jetzt kam bei uns das richtige Karibikfeeling auf. Am Abend liefen wir in der Marina von Rodney Bay ein und verbrachten die Nacht am preiswerteren Bistro-Anleger (40 EC-$). 1 East/Caribbean Doller (EC-$) ist ungefähr ein ½ Euro!
28.01.02
Da in der Marina das Zollbüro am Abend geschlossen war, klarierten wir an diesem Morgen ein und gleichzeitig wieder aus. Wenn man das Land innerhalb von 72 Std. wieder verlassen will, besteht die Möglichkeit, gleichzeitig ein und wieder auszuklarieren um Kosten zu sparen! (Wenn der Zollbeamte gute Laune hat).
Da in diesem Teil der Karibik in den Wintermonaten der Nordostpassat immer mit Geschwindigkeiten zwischen 15 und 35 kn bläst, ging es mit unserem Kat mit mehr als 8 kn Fahrt weiter nach Süden.

Bevor wir am Nachmittag in die Marigot Bay einliefen, legten wir in der 2 sm südlich gelegenen Anse Cochon wieder einen Bade und Schnorchelstopp ein. (Da unsere Crew eigentlich nur aus 2 Seglern bestand und die Buchten zu schön waren, um an ihnen vorbeizusegeln, geriet die Segelei immer ein wenig ins Hintertreffen).
Am Abend in der Marigot Bay grillten wir das erste Mal an Bord und orderten bei einem der Bootshändler frische Brötchen für den nächsten Morgen.
Ein Tipp! Suchen Sie sich einen der Bootshändler aus, mit dem Sie Geschäfte machen und merken Sie sich seinen Namen.

Wenn jetzt einer der vielen anderen Händler an Ihre Yacht kommt, sagen Sie einfach, dass Sie schon ein Abkommen mit (XY) haben, und Sie werden nicht mehr diskutieren müssen!
29.01.2002
Pünktlich um 8 Uhr lieferte der Händler die Brötchen. Dieser Service funktioniert in der Karibik wirklich immer Super ! Nach dem Frühstück verließen wir die Bucht und segelten nach Sufriere.

Wir legten unsere Yacht an eine Muringboje und einige von uns fuhren mit dem Dinghy an Land, weil Sie die nahegelegenen Wasserfälle anschauen wollten. Mein Co.-Skipper und ich blieben an Bord. Wir vertrieben uns die Zeit mit schwimmen und Fachsimpeleien.
30.01.2002
Da die Sonne in der Karibik immer schon sehr früh aufsteht, gewöhnten wir uns diesen Rhythmus auch sehr schnell an, so daß die Ersten schon um 06.30 Uhr aus den Kojen krochen. An diesem Tag hatten wir einen für dieses Gebiet langen Schlag in die Admirality Bay (55 sm) geplant.
Zwischen St. Lucia und St. Vincent hatten wir bei gutem Passatwind aber auch die dazugehörigen Atlanticwellen von ca. 3 m Höhe. (Bei solchen Wellen schaukelt auch ein großer Fahrtenkatamaran ganz ordentlich) Da wir aber, wie immer sehr zügig unterwegs waren, hingen wir gegen 16.00 Uhr an einer der zahlreichen Muringbojen in Port Elizabeth auf Bequia.
Einige unserer Crew, die ohne Anhang mitsegelten, nutzten gleich die Gelegenheit in einem der Internetcafe`s ein E-Mail abzuschicken.( Was übrigens auf den meisten Inseln kein Problem ist)
31.01.2002
Am Morgen füllten wir an einem der Wassertaxis erstmal unsere Wassertanks auf, bevor wir alle mit unserem Dinghy an Land fuhren. Die einen gingen einkaufen, die anderen shoppen und ich ging mit einem Freund zum Zollbüro um einzuklarieren.
Unsere Grenadinenflagge hatten wir zuvor schon gesetzt. In den Grenadinen gibt es seit kurzem ein neues Gesetz!! Für jeden Touristen wird pro Tag 5 EC $ 'Kurtaxe' fällig. Zunächst dachte ich, diese Info nicht richtig verstanden zu haben. Als ich aber die Rechnung von 380 EC $ vor mir liegen sah, musste auch mir klar sein, dass ich mich nicht verhört hatte. Von einem Deutschen, der in diesem Gebiet mit seinem eigenen Katamaran unterwegs war, erfuhren wir leider zu spät von einem Trick, wie man zur jetzigen Zeit diese Gebühren umgehen kann!
Wir hätten nur in Wallilabou auf St. Vincent einklarieren müssen. Die Insel gehört schon zu den Grenadinen, aber weil dieses schöne Island vom Tourismus mehr oder weniger ausgeschlossen ist, kennt man dieses neue Gesetz nicht und es werden lediglich die Ein bzw. Ausklarierungsgebühren von ca. 50 EC $ fällig!
Als wir in der Stadt alles erledigt hatten, gingen wir wieder an Bord und machten uns auf den Weg zur Prominenteninsel Mustique.

Nachdem wir in der Britannia Bay wieder an einer Muringboje festgemacht hatten, fuhren ein paar von uns auf einen 'Sundowner' zu Basil`s Bar ( die übrigens die Stammkneipe von Mick Jagger sein soll) und reservierten für den Abend einen Tisch zum Essen.
Die an Bord gebliebenen nutzten die Zeit, um in türkisfarbenen Wasser zu schwimmen und zu schnorcheln. Am Abend saßen wir direkt an der Wasserfront in Basil`s Bar beim Essen und konnten noch am alljährlichen Jazzfestival teilhaben.
01.02.2002
An diesem Morgen waren wir guter Dinge, weil wir jetzt so richtig in die Karibik eintauchen wollten. Unser Ziel an diesem Tag war die Salt Whistle Bay auf Mayreau, die zu den schönsten Buchten der Karibik zählt!

Wir segelten gerade an der Insel Cannouan vorbei, als unsere Angelschnur zum ersten Mal mit Macht ausrauschte! Als wir die 100m Schnur mit Mühe wieder eingeholt hatten, hing ein kleiner Thunfisch von ca. 3 kg am Haken. Am Nachmittag in der Bucht brauchten wir den Fisch nur noch auszunehmen, in Alufolie auf den Bordgrill zu legen und ein wohlschmeckendes Abendessen war gesichert.

02.02.2002
An diesem Morgen segelten wir an Union Island vorbei, um auf der Insel Sandy Island einen Badestopp einzulegen. Als wir dort ankamen, musste ich feststellen, dass diese einst so schöne unbewohnte Insel von einem der letzte Hurricane stark gebeutelt wurde. Sie wurde von den Wellen in zwei Hälften geteilt, und zahlreiche Palmen waren dem Sturm zum Opfer gefallen. Da es sich hier nur um einen Tagesankerplatz handelt, brachen wir am späten Nachmittag nach Petit St.Vincent auf, um dort zu übernachten. Da wir hier unseren Anker erst nach dem 4 Manöver zum Halten bekamen, (und dort keine sicheren Muringleinen ausgelegt sind) beschlossen wir, für die kommende Nacht Ankerwachen einzuteilen.

03.02.2002
Nach einer unruhigen Nacht wollten wir unseren Anker einholen, um durch das Riffgebiet nach Union Island zu fahren. Bei dieser Aktion gab leider unsere elektrische Ankerwinsch den Geist auf.
Wir machten an Lambi`s Restaurantanleger auf Union fest, der für die Gäste des Restaurants kostenlos ist! Der Servise dort ist Super! Das Frischwasser gibt es für einen ½ EC $ die Gallone, dass Buffet und die Steelband (Sonntags u. Mittwochs) ist ebenfalls OK. Auf Union gibt es einige Supermärkte, Internet-Cafe`s und auch Obst und Gemüsestände.
Da unser Vercharterer auf dieser Insel eine Partnerfirma hat, die sich um unsere Ankerwinsch bemühte, konnten wir uns in aller Ruhe verproviantieren, um uns auf einen längeren Aufentalt in den Tobago Cay`s vorzubereiten.
04.02.2002
Auf dem Weg in die Tobago Cay`s hofften alle noch auf einen großen Fisch an der Angel. Aber leider taten uns die Fische diesen Gefallen nicht, so dass wir am Abend an unserem Ankerplatz einen frischen Thunfisch von einem fliegenden Händler für 50 EC kaufen mussten.
Die nächsten 2 Tage lagen wir in den unglaublich schönen Tobago Cay`s vor Anker. Wir vertrieben uns die Zeit mit schnorcheln am Innen und Außenriff, Schwimmen, und Kochen.
07.02.2002
Da unsere Vorräte zu Neige gingen und die Wassertanks auf Reserve waren, segelten wir zum 'Bunkern' noch einmal nach Union Island. Zum Übernachten fuhren wir in die Saline Bay auf Mayreau. (Auf dem nahegelegenem Berg gibt es einige Bars und Restaurantes).
08.02.2002
Da unsere Gastsegler eine Wanderung über die Insel machen wollten, trennten wir uns an diesem Vormittag.
Peter (der Co.-Skipper), Hannes (der noch was vom Segeln lernen wollte) und ich fuhren raus, um mal richtig zu segeln. (Für den Nachmittag verabredeten wir uns mit den Anderen in der Salt Whistle Bay)
Da unsere Schleppangel, wie immer draußen war, hatten wir am Mittag Glück! Vor der Insel Canouan hatten wir einen 80 cm langen Baracuda am Haken. Wir mussten beidrehen, um diesen Kerl ins Boot zu bekommen! (Baracudas kämpfen bis zur letzten Minute) Gut gelaunt segelten wir zurück in die Salt Whistle Bay, um am Abend den Fisch zu grillen.
09.02.2002
Um noch einmal nach Mustique segeln zu können, starteten wir an diesem Morgen recht früh. (Wir haben nämlich festgestellt, dass der Wind meistens um die Mittagszeit von Ost auf Nordost dreht) Unser Kat stampfte mächtig gegen die hohen Wellen! Wir liefen mit (für einen Kat) extrem viel Höhe (35 Grad am Wind) in Richtung Mustique, aber schafften es trotzdem nicht ohne zu kreuzen.
Da unsere Nichtsegler von der unangenehmen Schaukelei die Nase voll hatten, beschlossen wir, das letzte Stück unter Motor zu fahren.
10.02.2002
Am Vormittag segelten wir rüber nach Bequia in die Friendship Bay zum schwimmen. Nachmittags liefen wir dann in der Admiralty Bay ein, um unsere Wassertanks zu füllen und ein paar Einkäufe zu erledigen. Am Abend war dann Livemusik bei Frangipani (Seglertreff) angesagt.
11.02.2002
Da wir an diesem Tag auf dem etwas ungemütlichen Kurs (hoch am Wind gegen die Wellen) nicht bis St. Lucia segeln wollten, beschlossen wir, in Wallilabou auszuklarieren und in der ca. 2 sm nördlich gelegenen Cumberland Bay zu übernachten. (Der deutsche Katsegler hatte Recht! In Wallilabou war das Ausklarieren kostenlos und wir mussten auch für die 'Mehrtage' in den Grenadinen keine Kurtaxe zahlen.)
Am Nachmittag lagen wir vor Anker mit einer langen Heckleine an einer Palme in der landschaftlich schönen Cumberland Bay.
12.02.2002
So weit wie möglich segelten wir unter der Landabdeckung von St. Vincent um 'Höhe' für die Überfahrt nach St. Lucia zu gewinnen! Da unser Kat mal wieder mit über 8 Knoten Fahrt unterwegs war, hingen wir am frühen Nachmittag wieder an einer Muringleine zwischen den Pitons auf St. Lucia.
13.02.2002
Fast die gesamte Crew wollte an diesem Morgen den kleineren (aber schwieriger zu besteigenden) Piton bezwingen. Da der Auf und Abstieg mit dem einheimischen Bergführer den ganzen Tag dauern sollte, beschloß ich in der nahegelegenen Hotel-Tauchbasis (95 US$) 2 Tauchgänge zu buchen. Unser Co.- Skipper Peter blieb an Bord. Als unsere Bergsteiger am spätem Nachmittag nach ihrer 'sehr anstrengenden und nicht ungefährlichen' Besteigung wieder an Bord waren, hatten sie viel zu erzählen.
Für den Abend hatten wir einen Tisch im 'Bang Bang' Restaurant reserviert. Das Lokal direkt an der Wasserlinie gehört einem alten englischem Lord und bietet, außer gutem Essen auch noch ein super 'Artistenprogramm'. Allerdings sollten Sie sich nicht über die ebenfalls hohe Rechnung wundern.
14.02.2002
Da wir in dieser Ankerbucht keine Zollstelle hatten, mussten wir an diesem Tag zum einklarieren in die Marigot Bay.
15.02.2002
Da unser Urlaub sich langsam dem Ende näherte, gingen wir noch einmal in eine Ankerbucht um zu schwimmen. Da der Co.-Skipper und ich in diesem Urlaub mit dem Segeln etwas zu kurz gekommen waren, mieteten wir uns am Strand einen Hobiekat und segelten erstmal los. Mit so einem Sportkatamaran hat man (Bei den Passatwinden) so richtig viel Spaß. Zum übernachten fuhren wir dann nochmal in die Rodney Bay Marina.
16.02.2002
Am Morgen liefen wir zeitig aus um nach Martinique zu segeln. 8 sm vor der Insel rauschte dann plötzlich unsere Angelschnur aus! Wir hatten größte Mühe die Leine einzuholen. Am Haken hing ein 10 Kg schwerer Bonito (Thunfisch). Auf den letzten paar Meilen beschlossen wir dann, den Fisch an ein Restaurant im Hafen zu verkaufen, weil wir diesen Riesenfisch an einem Abend nicht geschafft hätten!
Kurz vor der Hafeneinfahrt ankerten wir noch in einer Bucht, um vor unserer Heimreise im warmen Karibikwasser schwimmen zu gehen.
Als wir im Hafen von Le Marin waren, tankten wir zunächst unsere Yacht auf. Wir waren erstaunt, dass die beiden Tanks bei 80 Euro schon voll waren! Wir haben (außer bei den Fahrten unter Motor) die Maschinen jeden Tag mit erhöhtem Standgas ca. 2 Std mitlaufen lassen, um unsere Servicebatterien zu laden.
Anschließend verkauften wir unseren Fisch für 60 Euro an die Mango Bar und bestellten für den Abend einen Tisch zum Essen.
An diesem Abend wurde jedem von uns klar, dass ein traumhaft schöner Segelurlaub zu Ende ging.
17.02.2002
Am Morgen packten wir nur noch unsere Sachen, um anschließend dem Vercharterer seine Yacht zu übergeben. Die Übergabe verlief (wie auch zu Beginn unseres Urlaubs) sehr unproblematisch. Da unser Österreicher Hannes noch einen Tag länger auf Martinique blieb, gestattete ihm die Firma Corail Caraibes kostenlos noch eine weitere Nacht auf der Yacht zu schlafen! Toller Service!
Vielen Dank an das Team von SO LONG Yachting für die perfekte Organisation !
Volker Murwig